Gedanken

Wir alle sehnen uns nach Aufmerksamkeit, die Art aber, wie wir versuchen, diese auf uns zu ziehen, ist unser Personalausweis.

Die Texte, die ich schreibe, sind ehrlich, authentisch, philosophisch, poetisch, blutig. Sie entspringen dem aufgeschnittenen Herzen; man kann in ihnen nichts Vernünftiges finden. In so einer Art Wildnis schone ich weder den Leser, noch mich selbst – mich selbst am allerwenigsten. Während des Schreibens bin ich offen und bereit auf alles. Ich lasse mich auf jede Situation und jedes Gefühl ein. Ich habe keine Angst vor den Abgründen, die sich dabei unerbittlich vor mir öffnen. Das Einzige, das in solchen Stunden für mich zählt, ist zu dem durchzudringen, das ich tief in mir spüre, es aber noch nicht in Worte fassen kann.
Manchmal brauche ich monatelang dafür, die Erkenntnisse zu gebären. Es ist ganz schrecklich, wenn man weiß, dass man etwas in sich trägt, es aber trotzdem noch nicht auf ein Blatt Papier übertragen kann. Eine Schriftstellerin zu sein bedeutet, ein Bewusstsein über das Unbewusste zu haben, dem man völlig bewusst und im Klaren mit sich selbst mithilfe kleiner wunderbarer, magischer Wesen, die Wörter heißen, hinterherrennt. Es ist eine besondere Art von Jagd. Immer wieder dreht sich der Spieß um, und sehr oft weiß man nicht recht, ob man der Verfolger oder der Verfolgte ist.

Die Schriftstellerei ist kein Beruf, sondern die unvermeidliche Folge einer Persönlichkeit.

Alles mitzuteilen und dabei keinen Berg aus Leichen unter sich zu bauen, um zur Spitze zu gelangen – das kann nur ein Künstler!